Stell dir vor, du sagst zum ersten Mal in deinem Leben: „Nein, heute nicht." Dein Gegenüber schaut dich irritiert an. Vielleicht kommt sogar der Satz: „Das ist ganz schön egoistisch von dir." Und plötzlich fühlst du dich schlecht – obwohl du eigentlich nur auf dich geachtet hast.
Egoismus hat in unserer Gesellschaft einen miesen Ruf. Wer an sich denkt, gilt schnell als rücksichtslos oder selbstsüchtig. Aber stimmt das wirklich? Oder verwechseln wir da etwas Entscheidendes? Das Thema ist umstritten, da es von verschiedenen Menschen unterschiedlich bewertet wird.
In diesem Artikel erfährst du, was Egoismus wirklich bedeutet, welche verschiedenen Arten es gibt und wo die Grenze zwischen gesunder Selbstfürsorge und echtem Eigennutz liegt. Dabei gehen wir auf den Inhalt aktueller Forschung ein und zeigen, welchen Beitrag ein gesundes Maß an Eigeninteresse für dein Wohlbefinden leisten kann. Dieses Wissen kannst du nutzen, um im Alltag bewusstere Entscheidungen zu treffen.
Wir erklären die Bedeutung in der Psychologie, zeigen die Haltung von gesundem bis toxischem Verhalten und den Unterschied zu Narzissmus auf. Besonders in Beziehungen ist ein gewisses Maß an Egoismus durchaus die Grundlage für eine gesunde Balance.
Zudem geben wir praktische Tipps, wie du damit umgehen kannst. Abschließend fassen wir zusammen, dass die richtige Dosis den entscheidenden Unterschied macht – denn auch Eigeninteresse kann positive Aspekte haben, wenn es nicht übertrieben wird.
Egoismus Definition – Was ist Egoismus wirklich?
Das Wort stammt vom lateinischen „ego" – also „ich". Im Kern beschreibt Egoismus ein Verhalten, bei dem eine Person die eigenen Interessen und Ziele in den Mittelpunkt stellt – manchmal auch auf Kosten anderer.
Der Duden definiert Egoismus als „Streben nach der Erlangung von Vorteilen für die eigene Person ohne Rücksicht auf die Ansprüche anderer". Synonyme sind zum Beispiel Selbstsucht, Ichbezogenheit oder Eigennutz. Egoisten werden oft pauschal verurteilt, obwohl die Sachlage differenzierter ist. Damit sind wir schon mitten in der Diskussion um die verschiedenen Verhaltensweisen, die man als egoistisch bezeichnen kann. In diesem Beitrag geben wir dir einen umfassenden Inhalt zum Thema.
In der Philosophie unterscheidet man zwei Arten von Egoismen:
Beim psychologischen Egoismus geht man davon aus, dass Menschen immer aus eigenem Vorteil handeln.
Beim ethischen Egoismus hingegen wird das Streben nach dem eigenen Wohl als moralisch richtig angesehen. Das Prinzip der Selbstliebe dient hier als moralische Leitlinie, nach der das Individuum seine Handlungen ausrichtet.
Für den Alltag ist eine einfachere Unterscheidung hilfreicher:
Gesunder Egoismus: Du achtest auf deine eigenen Bedürfnisse, ohne andere gezielt zu verletzen. Du setzt Grenzen, sagst auch mal Nein und nimmst dir Zeit für dich. Die Erfüllung eigener Ziele ist dabei ein wichtiger Aspekt, um ein ausgeglichenes Leben zu führen. Es ist wichtig, Grenzen zu setzen und Nein zu sagen, um sich selbst zu schützen.
Negativer Egoismus: Du stellst dich systematisch über andere, ignorierst ihre Gefühle und nutzt Menschen aus, um deine Ziele zu erreichen. Diese Form wird oft mit Ichsucht oder Eigensucht gleichgesetzt. Handlungen, die aus diesem negativen Muster resultieren, können das soziale Miteinander erheblich belasten.
In einer Gruppe entscheidet sich jemand, immer nur seine eigenen Interessen durchzusetzen, ohne auf die Anliegen der anderen einzugehen. Das kann kurzfristig Vorteile bringen, führt aber langfristig zu Konflikten und Ausgrenzung. Im Gegenteil dazu achtet jemand mit gesundem Egoismus darauf, die eigenen Ziele zu vertreten, aber auch Kompromisse einzugehen und die Gemeinschaft nicht zu schädigen.
Der Unterschied? Bewusstsein und Empathie. Ein gesund egoistischer Mensch weiß, dass sein Verhalten Auswirkungen hat – und wägt ab. Ein toxisch egoistischer Mensch blendet das aus – oder es ist ihm schlicht egal.
Was viele überrascht: Ein gewisses Maß an Eigeninteresse ist völlig normal und biologisch verankert. Arthur Schopenhauer – einer der einflussreichsten deutschen Philosophen – formulierte es so: „Die Haupt- und Grundtriebfeder im Menschen, wie im Tiere, ist der Egoismus, d. h. der Drang zum Dasein und Wohlsein." Klingt hart, aber es steckt ein wahrer Kern darin: Wer nicht für sich selbst sorgt, kann auch für andere nicht da sein. Nächstenliebe beginnt mit der Fürsorge für sich selbst. Oscar Wilde brachte es in seinem Buch „The Soul of Man under Socialism" auf den Punkt, als er sinngemäß schrieb, dass Egoismus nicht darin besteht, so zu leben, wie man es wünscht, sondern von anderen zu verlangen, so zu leben, wie man es will.
Selbstlosigkeit hingegen beschreibt das Gegenteil: Altruismus steht für vollkommen selbstloses Verhalten, bei dem nur an andere gedacht wird. Egoismus wird häufig negativ bewertet, während Altruismus als Idealbild gilt. Dennoch bleibt die Selbstbestimmung des Individuums zentral, denn jeder Mensch ist einzigartig und trifft seine eigenen Entscheidungen.
Die Gründe hinter dem Egoismus
Warum sind manche Menschen egoistischer als andere? Und ist Eigeninteresse angeboren – oder anerzogen? Viele leben nach dem Motto, zuerst an sich selbst zu denken, was ihr Verhalten maßgeblich beeinflusst. Die Wissenschaft hat darauf keine einfache Antwort, aber einige faszinierende Erkenntnisse. Der folgende Inhalt gibt einen Überblick.
Ist Egoismus angeboren?
In der Forschung am Max-Planck-Institut (hrsg. in verschiedenen Fachpublikationen) haben Felix Warneken und Michael Tomasello in Experimenten gezeigt, dass bereits 18 Monate alte Kinder spontanes Hilfeverhalten zeigen. Sie reichen Erwachsenen Gegenstände, die diese fallen gelassen haben, ohne dass man es ihnen beigebracht hätte. Das deutet darauf hin, dass wir von Natur aus nicht rein egoistisch sind – sondern eine Grundveranlagung zur Kooperation besitzen.
Gleichzeitig zeigt eine Studie von Ernst Fehr an der Universität Zürich mit 229 Kindern im Alter von 3 bis 8 Jahren: Das Gerechtigkeitsempfinden entwickelt sich erst mit der Zeit. Jüngere Kinder handeln häufiger rein eigennützig – erst mit zunehmendem Alter wächst die Bereitschaft, fair zu teilen.
Die Wahrheit liegt also dazwischen: Kooperation und eigenen Vorteil suchen sind beides Teil unserer Natur. Welche Seite stärker ausgeprägt wird, hängt von Erziehung, sozialen Erfahrungen und dem Umfeld ab.
Das Gehirn und der Eigennutz
Unser Gehirn ist für Kooperation optimiert – nicht für reines Eigeninteresse. Wenn wir anderen helfen, schüttet das Belohnungssystem Dopamin aus. Wir fühlen uns gut, wenn wir etwas Gutes tun. Evolutionsbiologisch ergibt das alles Sinn: Kooperation erhöht die Überlebenschancen einer Gruppe.
Spannend dabei: Die sogenannte indirekte Reziprozität – also das Helfen von Fremden, nicht nur Verwandten – hat sich als evolutionärer Vorteil erwiesen. Wer als hilfsbereit bekannt ist, bekommt eher Unterstützung zurück. Im Bereich der Verhaltensbiologie zeigt sich, dass Eigeninteresse und Altruismus eng zusammenhängen.
Kulturelle Unterschiede
Joseph Henrich von der University of British Columbia hat mit über 2.100 Teilnehmern aus 15 verschiedenen Kulturen das sogenannte Ultimatumspiel durchgeführt. Dabei geht es darum, wie fair Menschen Geld aufteilen.
Das Ergebnis: Die Bereitschaft zur Kooperation und Fairness variiert stark zwischen Kulturen – ist aber universell vorhanden. In keiner Kultur handeln Individuen rein egoistisch.
Egoismus vs. Narzissmus – Der wichtige Unterschied
Die beiden Begriffe werden oft durcheinandergeworfen – dabei beschreiben sie ganz unterschiedliche Dinge. Häufig wird der Vorwurf des Egoismus auch mit dem des Narzissmus verwechselt, obwohl beide im Bereich der Persönlichkeitsdiagnostik verschiedene Bedeutung haben.
Egoismus ist ein Verhaltensmuster: Ein Mensch stellt seine eigenen Interessen in den Vordergrund. Das kann bewusst passieren und situativ begrenzt sein. Ein Egoist weiß in der Regel, dass er eigennützig handelt – und kann sich auch anders entscheiden.
Narzissmus dagegen beschreibt eine tiefgreifende Persönlichkeitsstruktur. Narzissten haben ein übersteigertes Verlangen nach Bewunderung, wenig Empathie und eine verzerrte Selbstwahrnehmung. In klinischer Ausprägung handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung – nicht einfach um schlechtes Benehmen.
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
- Selbstwahrnehmung: Egoisten sind sich ihres Verhaltens meist bewusst. Narzissten oft nicht – sie empfinden ihr Handeln als gerechtfertigt und normal.
- Empathiefähigkeit: Egoisten können Empathie empfinden, wählen aber manchmal, sie zu ignorieren. Bei Narzissten ist die Empathie strukturell eingeschränkt.
- Veränderbarkeit: Egoistisches Verhalten lässt sich ändern, wenn die Motivation stimmt. Narzisstische Persönlichkeitszüge sind tief verankert und verändern sich nur schwer – meist nur mit therapeutischer Hilfe.
- Beziehungsverhalten: Egoisten können liebevolle Partner sein, die manchmal zu sehr an sich denken. Narzissten nutzen Beziehungen häufig zur eigenen Bestätigung und manipulieren ihr Gegenüber.
Falls du dich fragst, ob dein Partner egoistisch oder narzisstisch ist – schau dir unseren Artikel über Narzissmus erkennen an. Die Unterscheidung ist wichtiger, als du vielleicht denkst.
Warum Selbstfürsorge kein Verbrechen ist
Therapeuten betonen immer wieder, dass das Vernachlässigen eigener Bedürfnisse langfristig zu ernsthaften Problemen führt. Wer ständig für andere da ist, sich selbst aber vergisst, riskiert Erschöpfung, Frustration und im schlimmsten Fall ein Burnout.
Die Psychiaterin Dr. Katarzyna Fischmann beschreibt gesunden Egoismus als den „goldenen Mittelweg zwischen Selbstfürsorge und der Rücksichtnahme auf andere". Es geht nicht darum, jemanden zu übergehen – sondern darum, sich selbst nicht zu übergehen.
So sieht ein gesundes Ego im Alltag aus:
- Grenzen setzen: Du sagst Nein, wenn du keine Energie mehr hast – ohne schlechtes Gewissen. Schlechtes Gewissen ist hier fehl am Platz. Ein gewisses Maß an Selbstschutz nützt allen, da es hilft, die eigenen Batterien aufzuladen.
- Eigene Anliegen kommunizieren: Du sagst klar, was du brauchst, statt darauf zu warten, dass andere es erraten.
- Zeit für dich nehmen: Du gönnst dir Pausen, Hobbys und Alleinsein, auch wenn andere deine Aufmerksamkeit wollen.
- Entscheidungen für dich treffen: Du wählst den Job, die Stadt oder den Lebensstil, der zu dir passt – nicht den, den andere von dir erwarten.
- Hilfe annehmen: Du lässt dir auch mal helfen, statt alles allein zu schultern.
Der entscheidende Punkt: Gesunder Egoismus schließt Empathie nicht aus. Du kannst für dich sorgen und gleichzeitig rücksichtsvoll sein. Es ist kein Entweder-oder.
Warum fällt gesunder Egoismus so schwer?
Viele von uns haben gelernt, dass Zurückhaltung eine Tugend ist. Wer schon früh hörte „Sei nicht so egoistisch!", hat verinnerlicht, dass eigene Anliegen weniger zählen. Besonders Frauen berichten häufig, dass sie sich schuldig fühlen, wenn sie an sich denken – weil die Erwartung an sie lautet, immer verfügbar zu sein.
Das Problem: Wer seine Bedürfnisse dauerhaft unterdrückt, wird irgendwann unzufrieden, gereizt oder zieht sich zurück. Und genau das schadet den Beziehungen, die man eigentlich schützen wollte.
Egoismus in Beziehungen – Wenn Eigeninteresse zur Belastung wird
In einer Partnerschaft wird Selbstverliebtheit besonders schnell zum Reizthema. Du gibst und gibst – und hast das Gefühl, dass von der anderen Seite nichts zurückkommt. Oder du merkst, dass dein Partner Entscheidungen trifft, die nur seine Ziele berücksichtigen.
Selbstsucht in Beziehungen zeigt sich auf vielen Ebenen
- Emotionaler Egoismus: Dein Partner erwartet, dass du für seine Gefühle da bist, interessiert sich aber kaum für deine.
- Entscheidungs-Egoismus: Wichtige Entscheidungen werden allein getroffen – Urlaub, Finanzen, Wohnort. Deine Meinung spielt keine echte Rolle.
- Zeit-Egoismus: Dein Partner plant seine Freizeit nach eigenem Gutdünken, ohne eure gemeinsame Zeit zu berücksichtigen.
- Kommunikations-Egoismus: Gespräche drehen sich fast ausschließlich um den Partner. Wenn du etwas erzählst, wird schnell das Thema gewechselt.
Ein gewisses Maß an Eigeninteresse ist auch in Beziehungen normal und sogar wichtig – schließlich sollen beide Partner ihre Individualität behalten. Problematisch wird es erst, wenn ein systematisches Ungleichgewicht entsteht: Einer gibt immer, der andere nimmt immer.
Was du in Beziehungen tun kannst
Wenn du das Gefühl hast, dass dein Partner zu egoistisch ist, hilft vor allem eines: ein offenes Gespräch. Aber nicht im Vorwurfs-Modus („Du denkst immer nur an dich!"), sondern mit Ich-Botschaften:
- Statt: „Du bist so egoistisch!"
- Besser: „Ich fühle mich manchmal übersehen und wünsche mir, dass wir Entscheidungen gemeinsam treffen."
Manchmal steckt hinter der Ichbezogenheit des Partners gar keine böse Absicht – sondern Unwissenheit. Nicht alle haben gelernt, die Anliegen der Mitmenschen mitzudenken. Ein offener Austausch kann viel bewegen.
Allerdings gilt auch: Wenn sich trotz Gesprächen nichts ändert und du dich dauerhaft unwohl fühlst, darfst du dir die Frage stellen, ob diese Beziehung dir guttut. Auch das ist – im besten Sinne – gesunder Egoismus.
Einen egoistischen Partner erkennen – Die Anzeichen
Manchmal ist es gar nicht so einfach, egoistisches Verhalten klar zu benennen – besonders wenn man mittendrin steckt. Diese Anzeichen können dir helfen, die Situation einzuordnen:
- Kompromisslosigkeit: Dein Partner beharrt fast immer auf seinen Vorstellungen. Kompromisse fühlen sich an, als würde nur einer nachgeben – nämlich du.
- Mangelndes Interesse: Wenn du von deinem Tag erzählst, merkst du, dass dein Partner nicht wirklich zuhört oder schnell ablenkt.
- Einseitige Unterstützung: Du bist immer da, wenn dein Partner dich braucht. Aber wenn du Unterstützung brauchst, ist plötzlich keine Zeit oder Energie da.
- Schuldzuweisungen: Wenn Probleme auftauchen, bist du schuld. Selbstreflexion? Fehlanzeige.
- Kontrollverhalten: Dein Partner bestimmt, wie Geld ausgegeben wird, welche Freunde ihr trefft oder wie eure Freizeit aussieht.
Wichtig: Einzelne dieser Punkte können auch situativ auftreten, ohne dass dein Partner grundsätzlich egoistisch ist. Stress, Krisen oder persönliche Probleme können vorübergehend zu eigennützigerem Verhalten führen. Entscheidend ist das Muster – wiederholt sich das Verhalten über längere Zeit, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. In einer gesunden Beziehung sollte die Fürsorge wie eine Decke sein: Sie spendet beiden Partnern Schutz und Geborgenheit, nicht nur einem.
Egoismus überwinden – Praktische Tipps
Vielleicht erkennst du dich in manchen Beschreibungen auch selbst wieder. Das ist ehrlich – und der erste Schritt. Denn egoistisches Handeln zu überwinden beginnt mit Selbsterkenntnis. Besonders hilfreich ist es, bewusst die Perspektive anderer einzunehmen, um mehr Empathie zu entwickeln und rücksichtsvoller zu handeln. Jeder Beitrag zur Verbesserung des eigenen Verhaltens zählt. Hier sind konkrete Ansätze, die helfen können:
a. Perspektivwechsel üben
Bevor du eine Entscheidung triffst, frage dich: Wie würde sich mein Gegenüber fühlen? Das klingt simpel, aber es trainiert die Empathie – ein Muskel, den man tatsächlich stärken kann.
b. Aktiv zuhören
Höre deinem Gegenüber zu, ohne sofort an deine Antwort zu denken. Stelle Rückfragen. Zeige echtes Interesse. Im Chat oder bei einem Date macht das einen enormen Unterschied.
c. Kleine Gesten im Alltag
Schreib jemandem eine nette Nachricht, ohne etwas zu erwarten. Hilf einem Freund beim Umzug. Frage deinen Partner, wie sein Tag war – und meine es ernst. Solche kleinen Dinge verändern dein Verhaltensmuster nachhaltig. Auch ein Buch zum Thema Empathie und Altruismus kann einen wertvollen Beitrag zu deiner Entwicklung leisten.
d. Eigene Trigger erkennen
Wann wirst du besonders eigennützig? Unter Stress? Wenn du dich unsicher fühlst? Wenn du Angst hast, zu kurz zu kommen? Wenn du deine Auslöser kennst, kannst du bewusster reagieren. Das alles gehört dazu und ist Teil des Lernprozesses.
e. Feedback ernst nehmen
Wenn dir Personen in deinem Umfeld sagen, dass du manchmal zu sehr an dich denkst – nimm das nicht als Angriff, sondern als Einladung zur Reflexion. Oft sehen andere Muster, die uns selbst gar nicht auffallen.
Eigenliebe vs. Egoismus – Wo ist die Grenze?
Eine Frage, die viele beschäftigt: Ist Eigenliebe dasselbe wie Egoismus? Kurz gesagt: Nein. Aber die Grenze ist manchmal dünn.
Eigenliebe bedeutet, sich selbst wertzuschätzen, gut für sich zu sorgen und die eigenen Anliegen ernst zu nehmen. Sie schließt andere nicht aus – im Gegenteil: Wer sich selbst mag, kann auch seinen Mitmenschen mit mehr Wärme begegnen.
Egoismus beginnt dort, wo das Streben nach eigenem Vorteil zulasten anderer gelebt wird. Wenn du deine Ziele nicht nur ernst nimmst, sondern über alles andere stellst – und zwar dauerhaft und ohne Rücksicht.
Ein einfacher Selbsttest: Wenn du für dich sorgst und dich dabei wohl fühlst, ohne dass andere systematisch darunter leiden – dann ist es gesunde Selbstachtung. Wenn andere regelmäßig zurückstecken müssen, damit du zufrieden bist – dann kippt es in Egoismus.
Gründe für ein positives Selbstbild
Ein positives Selbstbild ist weit mehr als nur ein gutes Gefühl – es ist dein Schlüssel für ein erfülltes Leben und gesunde Beziehungen. Aber wie entsteht dieses Selbstbild überhaupt? Ein entscheidender Inhalt liegt im achtsamen Umgang mit den eigenen Anliegen. Wenn du deine eigenen Ziele und Wünsche ernst nimmst, schaffst du die Basis für Selbstachtung und innere Zufriedenheit.
Gesunder Egoismus bedeutet, dass du dich selbst als Person mit eigenen Zielen und Grenzen respektierst, ohne dabei die Anliegen deiner Mitmenschen komplett zu ignorieren. Wissenschaftler zeigen deutlich: Selbstfürsorge ist ein wichtiger Baustein für ein stabiles Selbstwertgefühl. Wenn du lernst, auf deine Bedürfnisse zu achten und dir selbst Gutes zu tun, stärkst du nicht nur dein Ego, sondern auch deine Fähigkeit, Mitmenschen mit Wohlwollen zu begegnen.
Ein weiterer Beitrag zu einem positiven Selbstbild? Die Fähigkeit, klar „Nein" zu sagen. Wer sich traut, Grenzen zu setzen, schützt sich vor Überforderung und zeigt sich selbst, dass die eigenen Ansprüche zählen. Das ist kein Zeichen von Ichbezogenheit – das ist Ausdruck von Selbstrespekt.
Auch die Philosophie hat sich intensiv mit dem Bereich des Eigeninteresses beschäftigt. Friedrich Nietzsche hat es deutlich formuliert: Wie wichtig es ist, den eigenen Drang zur Selbstverwirklichung nicht als Fehler zu sehen, sondern als Motor für Entwicklung. Ein gesundes Ego ist laut Nietzsche keine Ichsucht, sondern die Basis für ein authentisches Leben.
Letztlich bedeutet ein positives Selbstbild, dich selbst als wertvoll zu betrachten – völlig unabhängig davon, was andere denken oder von dir erwarten. Es geht darum, deine eigenen Stärken und Schwächen zu akzeptieren und dich nicht von Vorwürfen verunsichern zu lassen. Ein achtsamer Umgang mit den eigenen Anliegen hilft dir dabei, dich selbst als wichtigsten Verbündeten im Leben zu sehen.
Wer sich selbst mit Achtung begegnet, kann auch Menschen in seiner Umgebung leichter helfen und echte Verbindungen aufbauen. Ein positives Selbstbild ist also kein Selbstzweck, sondern der Schlüssel zu mehr Lebensfreude, besseren Beziehungen und einem erfüllten Alltag. Eigeninteresse ist dabei nicht das Gegenteil von Nächstenliebe – sondern ihre beste Grundlage.
Egoismus im Chat und Online-Dating
Egoistisches Handeln zeigt sich auch in der digitalen Welt – und manchmal sogar verstärkt. Im Online-Chat und beim Dating begegnen uns Verhaltensmuster, die im echten Leben so vielleicht nicht vorkommen würden:
- Ghosting: Jemand verschwindet einfach, weil es bequemer ist als eine ehrliche Erklärung. Rücksichtslos? Absolut.
- Breadcrumbing: Gerade genug Aufmerksamkeit geben, um den anderen bei der Stange zu halten – ohne echtes Interesse.
- Benching: Jemanden auf der Ersatzbank halten, während man andere Optionen erkundet.
All diese Muster haben eines gemeinsam: Die eigenen Wünsche werden über die Gefühle des Gegenübers gestellt. In der Anonymität des Internets fällt das alles leichter, weil die unmittelbare Reaktion unsichtbar bleibt.
Auf Knuddels erleben wir, dass ehrliche Kommunikation den Unterschied macht. In einer Community, in der man sich kennt und wiederbegegnet, funktioniert reines Eigeninteresse ohne Empathie auf Dauer nicht – weil er Vertrauen zerstört. Und Vertrauen ist die Basis jeder echten Verbindung. Einen Beitrag zur Verbesserung der Online-Kommunikation kann jeder leisten, indem er die Sinne für die Gefühle des Gegenübers schärft.
Fazit: Egoismus ist nicht gleich Egoismus
Das Thema ist komplizierter als sein Ruf. Es ist weder grundsätzlich schlecht noch bedingungslos gut – es kommt auf das Maß und die Absicht an.
Ein gesundes Maß an Eigeninteresse ist überlebensnotwendig. Wer nie an sich denkt, verliert sich selbst. Wer immer nur an sich denkt, verliert alle anderen. Die Kunst liegt darin, alles in Balance zu halten – in Beziehungen, im Beruf und im alltäglichen Miteinander. Altruismus und Eigeninteresse sind dabei keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille.
Falls du merkst, dass du in einer Beziehung oder Freundschaft immer der Gebende bist – erlaube dir, auch mal an dich zu denken. Das ist nichts Schlechtes. Das ist Selbstfürsorge. Und falls du merkst, dass du selbst manchmal zu sehr an dich denkst: Auch diese Ehrlichkeit ist ein Stärkezeichen.
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Autor des Artikels
Bonnie arbeitet seit 2023 bei Knuddels. Sie bringt frische Ideen für den Bereich Marketing mit und brennt für gutes Storytelling. In ihrer Freizeit schaut sie am liebsten Cartoons, weshalb man sie auf Knuddels unter "Cartoonie" findet.
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